Allgemein, Kommunikation, Moderation | 9. Mai 2016

Moderations-Know-How Teil 3: Vibe – positive Identifikation mit der Gruppe stärken.

Arbeitstreffen sind Erlebnisräume

Moderation sollten nicht nur eine logistische Steuerung von Kommunikationsprozessen durch richtige Methoden, gekonnte Visualisierung und Dokumentation sein. Denn Arbeitstreffen sind als soziales Ereignis für die Identität und Motivation eines Teams von großer Bedeutung. Indem die Moderation gezielt Erlebnisräume schafft, können die  Teilnehmer_innen sich selbst erfahren und gegenseitig erleben. Und das selbst dann, wenn nichts in Form von „Teamtraining“ auf dem Programm steht.

Eine gute Schwingung = Identifikation mit der Gruppe

Allein die Anwesenheit und das Erleben des Miteinanders gibt den Teilnehmer_innen Feedback darüber, wer sie in der Gruppe sind und sein dürfen – und ob diese Gruppe für sie attraktiv ist. Mit „attraktiver Gruppe“ meine ich, dass wir uns dort als gemeinsam produktiv erfahren, dass wir wertgeschätzt werden, Lebendigkeit spüren, Spaß haben und sinnvoll Einfluss nehmen können. Wenn einige oder mehrere dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Gruppe für uns attraktiv. Diese Attraktivität wirkt sich auf das Arbeitsergebnis aus. Gerät die Gruppe in positive Schwingung, findet sie einen guten „Vibe“, wird jeder Einzelne mit mehr Elan an die Arbeit gehen. Es sinkt die Hemmschwelle, mit den Kolleg_innen direkt und persönlich in Kontakt zu treten und dazu auch informelle Wege zu gehen. Es entsteht Motivation und Vertrauensvorschuss, der sich in besserem Informationsaustausch, kreativer Befruchtung und der Vermeidung von Konflikten auszahlt.

Wie kann die Moderation diesen „Vibe“, diese positive Identifikation in und mit der Gruppe unterstützen?

In dem die Moderation der Gruppe Gelegenheit gibt:

  • gemeinsam produktiv(er) zu sein
  • sich gegenseitig wertzuschätzen
  • Lebendigkeit zu erfahren, Spaß zu haben
  • die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit zu erleben

Gemeinsam produktiv(er) sein

Auch wenn es sich banal anhört: Die Kernaufgabe der Moderation ist es, dazu beizutragen, dass die Gruppe während ihrer Zusammenkunft die Dinge macht, die jeder Einzelne allein nicht oder nicht so effektiv erledigen kann:

  • persönliches Kennenlernen
  • symbolisches Einführen und Verändern von Rollen und Positionen
  • Abtasten von Interessen
  • Austausch, Beratung, Wissensvermittlung und gegenseitige Information
  • Wertschätzung
  • Erarbeitung einer Kommunikationskultur, Vermittlung von Werten
  • Entscheidungen, Wahlen und Abstimmungen

Gegenseitige Wertschätzung

Die Moderation hat im Rahmen einer Arbeitssitzung mehrere Möglichkeiten, der Wertschätzung einen Raum zu geben.

  • Es können Formate eingeplant werden, in denen Anstrengungen, Erfolge und Meilensteine benannt und gefeiert werden.
  • Es gibt explizite „Wertschätzungs-Formate“, die zu Beginn oder zum Abschluss eingebaut werden können. Das können zum Beispiel Aufstellungen nach Alter oder Seniorität oder ein Feedback-Marktplatz sein.
  • Die Moderation kann aber auch ganz schlicht zwischendurch durch Spiegeln positives Feedback geben. Das kann sich auf persönliche Leistung beziehen: „Wow, sie sind schon 20 Jahre dabei? Dann kennen Sie die Firma ja ganz von Anfang an!“ Es kann sich aber auch auf die Arbeit des Teams in der Sitzung beziehen: „Wenn ich sehe, wie ihr euch gegenseitig Raum lasst, wieviel hier gelacht werden darf – ich finde wirklich, ihr habt eine schöne Arbeitsatmosphäre in eurem Team!“ (Siehe auch letzter Abschnitt.)

Lebendigkeit erfahren, Spaß haben

Der Körper ist eine Ressource. Über den Körper erleben die Teilnehmer_innen individuell Freude, Stärke und Wirksamkeit. Sie erfahren aber auch Akzeptanz und Gemeinsamkeit in der Gruppe. In meiner Wahrnehmung sind oft diejenigen Workshops die nachhaltig wirksamsten, in denen die Teilnehmer_innen sich gegenseitig in ihrer Lebendigkeit zeigen und erfahren konnten. Warum wirkt sich das so stark aus? Auf der einen Seite ist es sicherlich einfach die positive Prägung „Wir haben Spaß miteinander“. Auf einer tieferen Ebene ist wichtig, dass wir die anderen so in ihrer ganzen Menschlichkeit erfahren. Sie kommen uns dadurch näher, werden nachvollziehbar und wir treten ihnen mit mehr Empathie entgegen. Auf der anderen Seite zeigen und erleben wir uns selbst in unserer vollen Lebendigkeit und werden so von der Gruppe akzeptiert. Das ist tief befriedigend und motivierend.

Wie kann die Moderation Lebendigkeit fördern?

  • In der Vorbereitung durch eine anregende und sinnliche Location und Raumgestaltung
  • In der Planung durch Formate wie Energizer, Kennenlern- und Austauschübungen, kleine Teamchallenges oder kreative und bewegte Diskussions- und Präsentationsformate
  • In der Ansprache durch Humor und persönlichen Moderationsstil

Wichtig finde ich, diese Mittel bewusst in Wert zu setzen und nicht als reine Bespaßung oder Re-Energetisierung abzutun. Indem die Gruppe dem gegenseitigen Erleben von Lebendigkeit bewusst Raum gibt, kann sie dies auch als Kultur mit in den Arbeitsalltag tragen.

Die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit erleben

Mein Eindruck ist, dass viele Teams oder Arbeitsgruppen selten oder nie Feedback zu ihrem Wirken als Kollektiv erhalten. Macht das Sinn, was wir hier machen? Sind wir ein Haufen von unsympathischen Nerds? Sind wir unprofessionell? Streiten wir uns die ganze Zeit? Sind wir total humorlos und unkreativ? Andere Teams sind sicherlich effektiver (besser, schneller, friedlicher etc)! Ohne einem Kunden Honig um den Bart zu schmieren: Für eine Arbeitsgruppe sind Treffen auch der Ort, an dem jeder Einzelne das Urteil fällt: „Sind wir eine attraktive Arbeitsgruppe?“ Deshalb kann es entscheidend sein, welche Perspektive die Moderation vermittelt, in Bezug auf:

  • das Team
  • die Kommunikation untereinander und
  • die Herausforderungen, die die Teilnehmer_innen erleben.

Diese Perspektive sollte nachvollziehbar, authentisch und positiv sein. So können im Team Ressourcen und Lösungskompetenzen aktiviert werden. Dabei geht es nicht darum, zur Lob-Tante oder zum Lob-Onkel zu werden. Aber manchmal kommt der externen Moderation die rituelle Rolle zu, einfach mal zu spiegeln, was er oder sie wahrnimmt. Noch wirksamer ist es, wenn das Team ermutigt wird, durch entsprechende Formate selber eigene Wahrnehmungen/Sinngebungen auszutauschen und zu spiegeln.

Mit dem Thema Sinn endet diese Serie zum Moderations-Know-how: Flow, Spirit und Vibe. Natürlich hätte ich gerne auch Methoden und Formate vorgestellt, dies würde aber den Rahmen eines Blogs sprengen. Sicher gibt es auch viele Perspektiven und Ansätze, die mir noch nicht aufgefallen sind. Deshalb freue ich mich darauf, weiter zu lernen – vielleicht auch durch Ihr Feedback?

 

Viel Spaß beim Moderieren wünscht

 

Ihr Daniel Unsöld

Foto: Wigwam 2014

 

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