Allgemein, Kommunikation, Moderation | 17. März 2016

Moderations-Know-How Teil 2: Spirit – wie verhalten wir uns zwischenmenschlich?

Spirit – wie verhalten wir uns zwischenmenschlich?

Inhalte dieses Blogs

  • Wie wird miteinander gesprochen? Die Moderation vermittelt und lebt achtsame Kommunikation
  • Einfühlsames Spiegeln der Rollen und Verhaltensmuster in der Gruppe als Tür zu Wachstum und Veränderung

Im ersten Teil der Serie „Flow“ ging es um Klarheit für die Moderation. Auftraggeber_in, Teilnehmer_innen und Moderation haben eine gemeinsame Vorstellung von der Aufgabe, der Rolle und auch von den Grenzen der Moderation. Diese Klarheit muss teilweise in der Vorbereitung durch Partizipation und Vereinbarungen hergestellt werden, teilweise immer wieder aktiv während der Veranstaltung demonstriert und hergestellt werden – zum Beispiel durch transparente Auswahl- und Entscheidungsprozesse. Dies ist grob skizziert das Gerüst, auf dem eine „leichte“ Moderation aufbaut.

Aber was füllt dieses Gerüst auf? Wie agieren wir miteinander? Im zweiten Teil der Moderations-Know-How-Serie liegt der Fokus deshalb auf der Kommunikation und den darunter liegenden sozialen Beziehungen zwischen und mit den Teilnehmer_innen.

Kommunikation – das Was und das Wie

Auf der einen Seite steht das „Was“ – die Inhalte. Hier ist es hilfreich, wenn die Moderation die verwendeten Begriffe kennt und die grundlegenden Positionen und Konflikte versteht. So kann die Moderation Diskussionen nachvollziehen und hat es leichter, sinnvolle methodische Vorschläge einzubringen. Das „Was“ sind aber nicht nur die im Vordergrund stehenden fachlichen Inhalte, im Hintergrund verborgen liegt wichtiges unspezifisches Kontextwissen – der biographische Hintergrund. Er beeinflusst maßgeblich die Kommunikation, das intuitive Verstehen und Akzeptieren. Leider können wir selbst unseren biographischen Hintergrund nur begrenzt beeinflussen. Aber: Das „Wie“ der Kommunikation liegt sehr wohl in unserer Macht. Wie können wir als Moderation achtsame Kommunikation vermitteln?

Achtsame Kommunikation vermitteln: Kommunikations-Grundregeln einführen und leben

Indem die Moderation aktiv Kommunikationskompetenzen vermittelt, kann sie beeinflussen, wie miteinander gesprochen wird. Das meint sowohl praktische Tools, die unterstützen, effektiver miteinander zu reden, als auch die Herstellung von Bewusstheit für Kommunikation.

Eine ganzheitliche Moderation macht Kommunikation an sich zum Thema, in dem sie mit der Gruppe Grundregeln der Interaktion vereinbart. Ich empfehle, wirklich gemeinsam über die Regeln abzustimmen und eine Einstimmigkeit darüber zu erhalten. Denn diese Regeln bilden gewissermaßen die Basis, auf der die Moderation in den Prozess eingreift. Ein Bild hierfür ist der Staat, der aufgrund einer Verfassung das Recht hat, in das Alltagsleben der Bürger einzugreifen. Erst wenn wir dem Staat diese Rechte abgeben und die Gründe dafür nachvollziehen können, sind wir als mündige Bürger willig, uns zu fügen. Nicht viel anders verhält es sich bei der Moderation einer Arbeitssitzung!

Die Moderation ist sowohl die „Polizei“, welche die Einhaltung der Regeln sicherstellt, aber sie muss achtsame Kommunikation auch selbst leben und erlebbar machen. Sie ist ein „Bürger in Uniform“, wobei die Uniform hier die Rolle der Moderation ist. Hält sie sich selber nicht daran, wird auch die Motivation der Gruppe für achtsame Kommunikation schnell schwinden. Für die Moderation bedeutet das, so achtsam wie möglich zu kommunizieren.

Deshalb macht es Sinn, zu Beginn einer Arbeitssitzung oder eines Team-Treffens Grundregeln der Kommunikation einzuführen. Einige Grundregeln, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe, möchte ich hier vorstellen.

Eigenverantwortlicher Prozess

Die Moderation ist keine Show, sondern lebt davon, dass alle sich und ihre Bedürfnisse transparent machen und einbringen. Nur wenn die Teilnehmer_innen sich voll einbringen und der Moderation mitteilen, wenn etwas nicht in die richtige Richtung geht, kann die Veranstaltung ein Erfolg werden. Das schließt Unzufriedenheit mit dem Prozess genauso ein wie praktisches Feedback, z.B. zur Raumtemperatur oder dem Bedarf an Pausen. Die Arbeitssitzung ist ein gemeinsames Projekt, das nur durch die Beteiligung aller erfolgreich wird.

Kein Blabla

Beiträge zum Thema, wiederholungsfrei und in aller Kürze und Würze.

Raum geben, Raum nehmen

Extrovertierte und Introvertierte, das Verhältnis von Frauen und Männern in einer Gruppe, Muttersprachler und Fremdsprachler – es gibt viele unterschiedliche Merkmale, die sich auf Kommunikation auswirken. Raum geben, Raum nehmen lädt dazu ein, sich kurz innerlich Rechenschaft darüber abzugeben, ob man eher ein Typ ist, der viel Raum einnimmt, oder eher jemand, der anderen den Raum überlässt. Darauf folgt die Einladung, dem eigenen Muster entgegenzuwirken: Als Raum nehmende Person, Raum zu geben, und als Raum gebende Person, Raum zu nehmen.

Feedback-Regeln/4 Schritte zu effektiver Kommunikation (Nach M. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation)

Urteile, Verallgemeinerungen und Bewertungen verhindern, dass eine Person fremde Gesichtspunkte nachvollziehen und aufnehmen kann. Deshalb immer persönlich von sich sprechen. Diese Struktur hat sich für schwierige Gesprächssituationen als erfolgreich herausgestellt:

1) Beobachtung: Was ist wie passiert? Wie und wann wurde der Sachverhalt beobachtet? Woher stammt die Information? Hier darauf achten, dass keine Bewertungen fallen. Verdammt schwer übrigens …!

2) Befinden: Gefühle äußern.

3) Bedürfnisse herausarbeiten: Warum entsteht dieses Gefühl? Was ist das darunterliegende Bedürfnis?

4) Bitte: Was kann die Person konkret ändern? Möglichst genau definieren, Überprüfbarkeit muss gegeben sein. Überprüfung sollte in Zeit und Form vereinbart werden.

Gut Zuhören

Eine unterstützende Regel: Wirklich Raum geben und zuhören. Für die Teilnehmer_innen bedeutet aktives Zuhören: Körpersprachliche Zeichen des Zuhörens, paraphrasieren, nachfragen. Das Paraphrasieren kann von der Moderation eingefordert werden, um sicherzustellen, dass Gesprächspartner sich wirklich verstehen. Hier ist die Grenze zur Mediation fließend. Den Raum des Zuhörens stellt auch die Moderation her, in dem sie klare Grenzen setzt und Unterbrechungen nicht duldet. Eine Rednerliste unterstützt, da beitragshungrige Teilnehmer_innen sich entspannen können – jeder kommt dran.

Biete Pausen, suche Pünktlichkeit und Störungsfreiheit

Die Moderation verspricht den Teilnehmer_innen, dass es festgelegte Pausen in ausreichender Dauer gibt, wenn sich die Teilnehmer_innen im Gegenzug verpflichten, pünktlich zu kommen und auf die Nutzung von Laptops und Mobiltelefonen während des Workshops zu verzichten. Denn sowohl Unpünktlichkeit als auch Laptop- und Mobiltelefonnutzung senden die gleiche Botschaft an die anderen: Anderes ist wichtiger. Ein echter Motivationskiller.

Achtsame Kommunikation üben

Je nach Gruppe und Anlass kann der eigentlichen Sitzung zum Beispiel eine Session vorgeschoben werden, in der die Teilnehmer_innen Kommunikation anhand eines Beispiels aus dem eigenen Leben üben. In Paaren werden die vier Stufen der Kommunikation durchgegangen, wobei die Rollentrennung Zuhörer/Redner strikt ist und jegliches Ratgeben unterlassen wird. Die zuhörende Person strukturiert das Gespräch, fragt nach und paraphrasiert, sonst nichts.

Wichtig: Ich nutze diese Grundregeln selten alle, sondern wähle diejenigen aus, die zum spezifischen Kontext, zur Länge des Termins und zu den Themen passen. Als Richtlinie hilft mir: Je mehr eine Moderation Anteile eines Teamtrainings/Coachings hat, je länger der Termin ist, desto mehr Regeln für Kommunikation braucht es.

Einfühlsames Spiegeln der Rollen und Verhaltensmuster in der Gruppe als Tür zu Wachstum und Veränderung

Ein Teil der achtsamen Kommunikation ist das Spiegeln der eigenen Gefühle und Wahrnehmungen gegenüber den Teilnehmer_innen. Durch dieses Spiegeln wird die Moderation einerseits frei von energiefressenden inneren Widersprüchen, denn es kostet Kraft und Aufmerksamkeit, einen innerlichen Aufruhr niederzukämpfen! Auch gibt sie ein Vorbild in Sachen achtsame Kommunikation, in der die Gefühlsebene selbstverständlich transparent gemacht wird. Aber vielleicht noch bedeutender ist, dass die Moderation durch das Spiegeln ihrer Gefühle und Wahrnehmungen die Gruppe darin unterstützt, Befindlichkeiten, Konflikte und unproduktive Konstellationen offenzulegen. Das könnte beispielsweise so aussehen: „Ich fühle mich gerade nach dem Mittagessen sehr schwer, geht es euch auch so? Vielleicht machen wir einen Energizer.“ Aber auch in heiklen Situationen „Ich merke, dass ich gerade viel Anspannung spüre. Kann es sein, dass X für einige ein sehr emotionales Thema ist?“ Daran könnten sich zum Beispiel folgende Fragen anschließen: „Wie wollen wir damit umgehen? Welchen Raum braucht das Thema, ist dieser Raum hier oder woanders?“ Und natürlich kann und sollte das emotionale Spiegeln auch positiv angewendet werden: „Ich habe gerade ein frohes Gefühl, ich glaube, wir sind einen ganzen Schritt weitergekommen, seht ihr das auch so?“

Wie gehen wir mit sich wiederholenden schwierigen Konstellationen innerhalb einer Gruppe um?

Viel Fingerspitzengefühl braucht es, wenn die Moderation im Bereich des individuellen Verhaltens emotionales Feedback gibt. Oft geschieht dies unbewusst. Wir reagieren offen und begeistert auf einen Beitrag, der gut „in unseren Plan“ passt. Auf einen anderen, den Prozess womöglich aufhaltenden Beitrag reagieren wir eventuell etwas gedämpfter. Hier ist Vorsicht wichtig, denn dieses Verhalten ist weitaus besser lesbar, als wir meinen. Leicht bildet sich bei so zurückgewiesenen Teilnehmer­_innen eine Abwehrhaltung aus. Besser wäre es hier, transparent den Prozess zu schützen. Also entweder offenzulegen, was die Moderation gerade vorhat, und dafür zumindest für einen begrenzten Zeitraum den vollen Support der Gruppe zu bekommen. Oder die Moderation kann hier auch wieder die Gruppe nutzen und womöglich unproduktive Vorschläge durch andere Sichtweisen balancieren. So vermeidet sie, selbst in Gegenposition zu geraten.

Noch delikater ist es, wenn es notwendig wird, Rollenmuster in einer Gruppe zu spiegeln. Hiermit meine ich einzelne Teilnehmer_innen, deren Verhalten den Gruppenprozess erschwert oder stört. Vielredner_innen, Ignorante, Aggressive, Clowns, Widerspenstige, eine Gruppe von Entscheidungsunwilligen und viele mehr. Aus Sicht der Moderation hat eine Arbeitsgruppe oft Schulklassencharakter! Der klassische Fall wäre ein „Kernteam“, das den Großteil der Diskussion bestreitet und den Rest des Teams außen vor lässt. In diesem Fall ist es durchaus OK, wenn die Moderation ihre eigene Wahrnehmung teilt, diese aber in einer wertschätzenden, humorvollen, schmeichelhaften oder einladenden Weise, so dass keiner sich stigmatisiert fühlen muss. Daran schließt sich das Angebot verschiedener Formate an, die dieses Kommunikationsmuster brechen – zum Beispiel Gruppenarbeit, Blitzlicht, Brainwriting. Die Gruppe entscheidet sich in jedem Fall für eine Methode, die das „business as usual“ produktiv unterbricht.

Meiner Erfahrung nach helfen in den meisten Fällen vor allem Leichtigkeit, Humor und Klarheit. Konkreter: Es ist die Fähigkeit, fließend zwischen sachlicher und persönlicher Ebene zu wechseln, ohne sich persönlich von unterschiedlichem Verhalten angegriffen zu fühlen.

Hierfür braucht es:

  • Ein gesundes Selbstwertgefühl. Wissen, wer man ist. Und wissen, wo die eigenen Schwachstellen liegen, also welche Personen einen potenziell auf die Palme bringen. Hier ist besondere Achtsamkeit gefragt.
  • Achtsamkeit und Empathie – genau zu spüren, welche Energie oder Absicht hinter einem Verhalten liegt. Das dahinterliegende Bedürfnis erspüren.
  • Kreativität, um Wege und Formate zu entdecken, wie den nicht offen kommunizierten Bedürfnissen Raum gegeben werden kann.
  • Humor, um auf einfühlsame Weise unbewusstes Verhalten und die Auswirkung auf den Prozess zu spiegeln. Hier können zum Beispiel Bilder und Vergleiche nützlich sein, die ein Verhalten, eine Situation oder Konstellation skizzieren, ohne einzelne Personen direkt anzugehen.
  • In vielen Fällen kann unsere Körpersprache ein sehr nützliches Tool sein, denn durch den Körper können wir unsere Gefühle und Wahrnehmungen spiegeln, ohne jemanden offen anzugehen. Ein Beispiel wäre, jemand spricht laut und aggressiv, und wir „spielen“ ein ängstliches Verhalten und spiegeln so unsere emotionale Wahrnehmung auf humorvolle Weise. Oder wir nähern uns dezent einem störenden Plapper-Paar und führen unsere Moderation aus nächster Nähe fort. Verstummen – fast – garantiert!

Hiermit möchte ich diesen Blog zum Thema „Spirit“ zu Ende bringen. Was ich mitgeben möchte, ist eine Bewusstheit für beide Verantwortungsbereiche der Moderation in Bezug auf Kommunikation: Das aktive Vermitteln von Kommunikationskompetenz und das spontane Leben und Spiegeln achtsamer Kommunikation. Selbstverständlich ist nicht alles gesagt. Verbale und non-verbale Kommunikation sind große Themen, dieser Blog kann nur einen kurzen Einblick geben. Wenn Sie etwas mitnehmen, dann bitte diese drei:

  1. Vereinbaren Sie Grundregeln
  2. Eigene Gefühle dürfen Raum haben
  3. Leichtigkeit

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

 

Weiter geht es im Newsletter 3/2016 mit Teil 3: Vibe – positive Identifikation in und mit der Gruppe stärken.

  • Den Körper als Ressource nutzen. Über den Körper erleben die Teilnehmer_innen individuell Freude, Stärke und Wirksamkeit. Sie erfahren aber auch Akzeptanz und Gemeinsamkeit in der Gruppe.
  • Positives Framing zur Aktivierung von Ressourcen und Lösungskompetenzen. Welche Perspektive vermittelt der Moderator auf Herausforderungen, die die Teilnehmer_innen erleben?

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