Kandidatencheck | 18. April 2013

Waschlappen und Hosentaschen: Die gespielte Überlegenheit des Peer Steinbrück.

Eine Analyse der Körpersprache von Peer Steinbrück

Zur Bundestagswahl untersuche ich in mehreren Blogbeiträgen die Körpersprache der Spitzenkandidaten und -kandidatinnen. Als erstes habe ich mir Peer Steinbrück angeschaut, weil es mich interessiert hat, inwiefern sich seine vermeintlich angeschlagene Situation in seiner Körpersprache ausdrückt. Dazu habe ich mir seine Antrittsrede als Kanzlerkandidat im Bundestag angeschaut, die er am 18.10.2012 gehalten hat.

Kandidatencheck 2013: Peer Steinbrück from Daniel Unsöld on Vimeo.

Zu Beginn sucht Steinbrück Ruhe und Sicherheit in einer zentralen Position, er greift fest an beide Seiten des Pults, die Hände führen keinerlei Gestik aus – wie als wolle er sagen: „Seht her, ich stehe fest, ich bin gerade, integer, habe nichts zu verstecken, will nichts von Euch.“ Ab Minute 2:50 knickt seine Hüfte ein und er kommt in dieser lässig wirkenden, halbstarken Geste langsam in Schwung. Ab 3:57 bereiten die Hände mit einem dynamischen diagonalen Griff über den Pult einen Angriff vor und er setzt seine Hände für große Gesten ein.

Widersprüchliche Gestik

Aber das geht gehörig schief – die Aussagen der Hände scheinen die Aussagen der Wörter zu widerlegen – mit jeder Bewegung scheint Steinbrück seine fast leblos wirkenden Hände wie Waschlappen auszuschütteln. Völlig spannungslos auch die Finger. Dadurch wirken seine Gesten vage, suchend, ganz deutlich bei 12:00 oder 26:35. In Verbindung mit dem abstrakten, routinierten Sprachfluss entsteht der Eindruck von Künstlichkeit – als würde er nicht wirklich hinter seinen Worten stehen. Bei anderen Gesten (z.B. 9:15) zeigen die Handflächen nach unten – niemals lässt er uns offen seine Handflächen sehen. Hat Steinbrück etwas zu verbergen? Offen wirkt das nicht.

„Und ich bin trotzdem da“

Der Gesamteindruck der Körperhaltung wirkt seltsam unkörperlich. Die Beziehung zum Publikum im Gespräch ist nicht direkt, sondern Steinbrück wirkt eher so, als würde er in Gedanken seiner Rede zuhören – und den Effekt beim Publikum scheinbar nur hinnehmen. Wenn er einen Witz oder eine Pointe macht, goutiert er dass mit einem Lippen-Einsaugen (23:50) doch die Geste wirkt künstlich, gesetzt, auch die „Hand auf’s Herz“ (lautstark 25:40) kann nicht überzeugen. In Verbindung mit der unterspannten, hingeworfenen Gestik sehe ich in Steinbrück eine grundsätzliche Arroganz durchscheinen, auch etwas Gekränktes. Das kann durchaus mit seiner schwierigen Lage in Bezug auf seine Nebenverdienste zusammenhängen, ein grundlegendes: „Ihr mögt mich zwar nicht, aber ich bin trotzdem da.“ Das er sich seiner hochbrisanten Lage komplett bewusst ist beweist seine Antwort auf einen Einwurf (13:08) – hier wird deutlich, dass Steinbrück die ganze Zeit auf Alarmstufe rot steht, denn er reagiert direkt und hochemotional, wie als hätte er die ganze Zeit nur auf diesen Einwurf gewartet.

Halbstarker Steinbrück

Interessant zu beobachten: Steinbrück bereitet seine Angriffe in den Textpassagen davor mit einem Wiegen von links nach rechts vor, mit dem er sich in Schwung bringt (3:47, 26:15.) Hat er eine Pointe gebracht (4:19, 25:12), dann genießt er den Applaus, in dem er eine Hand in die Hosentasche schiebt. Damit will er lässig wirken, kommt aber leider halbstark rüber. Lässigkeit wirkt (und ist) in einer massiv angeschlagenen Position immer aufgesetzt und leicht lächerlich. Dessen scheint sich Steibrück nicht bewusst.

Aber: Steinbrück hat mich neugierig gemacht – als prominentester und am stärksten angegriffener Kanzlerkandidat wird er in diesem Wahlkampf viel lernen und unterschiedliche Phasen durchleben. Deshalb werde ich Steinbrücks Körpersprache noch einmal im Frühsommer betrachten – vielleicht hat er da seine schwierige Phase durchstanden.

Als nächstes in der Kandidaten-Analyse: Katrin-Göring Eckhardt von Bündnis 90/Die Grünen.

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